Rot-Weiss Essen fährt am Samstag mit einem klaren Auftrag nach Ulm: Nur mit einem Sieg bei SSV Ulm 1846 bleibt der direkte Aufstieg in der 3. Liga für den Klub noch erreichbar. Anpfiff der letzten Spiele des Saisonfinals ist um 13:30 Uhr, und für Essen hängt alles daran, was auf den drei Plätzen in Ulm, Duisburg und Cottbus gleichzeitig passiert.
Die Rechnung ist schlicht und brutal. Essen steht aktuell auf dem vierten Platz und hat 67 Punkte, genauso viele wie MSV Duisburg, liegt aber wegen der schlechteren Tordifferenz hinter dem Rivalen. Spitzenreiter VfL Osnabrück ist mit 77 Punkten nicht mehr einzuholen, Energie Cottbus liegt mit 69 Zählern auf Rang zwei. Damit ist klar: Rot-Weiss Essen kann den direkten Aufstiegsplatz nur noch dann erreichen, wenn Cottbus verliert und Duisburg höchstens einen Punkt holt – und Essen selbst in Ulm gewinnt. Sollte Cottbus remisieren oder gewinnen, ist für Essen maximal noch Rang vier drin, also der Relegationsplatz. Dafür müsste die Mannschaft mindestens einen Punkt mehr holen als Duisburg.
Die Ausgangslage hat sich erst mit dem 1:0 gegen Verl am vergangenen Spieltag halbwegs gedreht. Vor diesem Sieg hatte Essen drei Partien in Folge verloren, darunter das 1:6 gegen Stuttgart II, das Uwe Koschinat als „desaströs“ bezeichnete. Nach dem Erfolg über Verl nannte der Trainer die Situation „sehr, sehr herausfordernd“ und kündigte an, seine Mannschaft werde wahrscheinlich mit „derselben Energie“ auftreten wie in diesem Spiel. Genau diese Haltung braucht Essen jetzt noch einmal, denn Ulm ist nicht nur ein Gegner, sondern Teil eines Schlussspurt-Dreiecks, das über Aufstieg und Relegation entscheidet.
Der Tagesdruck ist ungewöhnlich hoch, weil Essen nicht nur auf sich selbst schaut. Parallel empfängt Duisburg Viktoria Köln, während Cottbus gegen Jahn Regensburg spielt. Für Rot-Weiss bedeutet das: Das eigene Ergebnis reicht allein nicht, aber ohne einen Auswärtssieg in Ulm wird die Tür in Richtung direkter Aufstieg sicher geschlossen. Die Mannschaft hat sich mit dem 1:0 gegen Verl in das Rennen zurückgebracht, doch der Spielraum bleibt minimal. Nach der langen Durststrecke und dem Rückschlag von Stuttgart II ist die Partie in Ulm für Essen mehr als nur das letzte Ligaspiel; sie ist die letzte Chance, sich die Saison doch noch anders zu schreiben.
Koschinat hat die Lage nach dem Sieg über Verl offen beschrieben und zugleich die Richtung vorgegeben. Für Essen geht es am Samstag darum, aus dem Auswärtsspiel in Ulm ein Heimspiel zu machen – nicht im Sinne des Ortes, sondern im Sinne des Drucks, den die Mannschaft selbst erzeugen muss. Gelingt das nicht, bleibt nur der Blick auf die Tabelle und auf die Frage, ob die spätere Saisonbilanz eher nach verpasster Gelegenheit oder nach einer geretteten Schlussphase aussieht.

