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Mond-Ring: Japans Vision von Solarstrom aus der Mondumlaufbahn

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Ein altes Raumfahrt-Nachdruckprojekt aus Japan ist wieder aufgetaucht: berichtet über das Luna-Ring-Konzept der , das Sonnenenergie aus der Mondumlaufbahn dauerhaft zur Erde bringen soll. Der Plan sieht vor, den Äquator des Mondes mit einem rund 11.000 Kilometer langen und bis zu 400 Kilometer breiten Gürtel aus Solarmodulen zu umschließen.

Die Energie würde auf der erdzugewandten Seite des Mondes in Mikrowellen oder Laserstrahlen umgewandelt und an Empfangsstationen auf der Erde geschickt. Shimizu beschreibt die Idee in einem offiziellen Konzeptpapier als Beitrag zu „einer schönen Erde und einem reichhaltigen Lebensstil in der Zukunft“. Doch hinter dem großen Bild stehen weit größere Hürden als die Vision vermuten lässt.

Nach dem Konzept will das Unternehmen lokale Mondressourcen nutzen. Große, ferngesteuerte Roboter sollen dafür den Tiefbau übernehmen, während eine mobile Fabrik entlang des Äquators bewegt würde, um Zement, Glas und Solarzellen direkt vor Ort herzustellen. Diese Roboter gibt es derzeit aber nicht in einsatzfähiger Form. Auch eine konkrete Gesamtkostenschätzung fehlt bis heute. Das macht aus dem Projekt eher eine Machbarkeitsstudie mit Fernblick als einen Bauplan, der morgen beginnen könnte.

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Shimizu stellte die Idee erstmals 2010 vor. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 bekam sie kurzzeitig mehr Aufmerksamkeit, weil sie in eine Phase fiel, in der Japan stärker über Energieunabhängigkeit und den Umbau seiner Stromversorgung nachdachte. Jetzt, Jahre später, taucht das Konzept erneut auf, weil die Debatte über Energiegewinnung im All wieder an Fahrt gewinnt.

Der Technologe hält das Vorhaben zwar grundsätzlich für nachvollziehbar, sagt aber, es klinge theoretisch gut, sei jedoch mit zu hohen finanziellen Hürden verbunden. Genau dort liegt der Kern des Problems: Selbst wenn die Physik nicht widerspricht, bleibt die Frage offen, wie man ein solches System baut, startet, betreibt und absichert, ohne dass die Kosten jedes denkbare Budget sprengen.

Raumfahrtbehörden verfolgen deshalb derzeit pragmatischere Wege. Ihre Pläne konzentrieren sich eher auf Solaranlagen in erdnahen Umlaufbahnen als auf einen Solargürtel um den gesamten Mond. Auch Organisationen wie die Nasa denken bei Solarfeldern auf der Mondoberfläche vor allem an die Versorgung künftiger Mondbasen, nicht an Stromexport in industriellem Maßstab. Gleichzeitig wird drahtlose Energieübertragung per Mikrowelle an verschiedenen Instituten bereits in kleinerem Maßstab getestet.

Das Luna-Ring-Konzept bleibt damit ein bemerkenswerter Gegenentwurf zu dem, was die Raumfahrt heute tatsächlich baut. Es zeigt, wie weit die Ingenieursfantasie reichen kann, wenn sie die Mondoberfläche nicht als Ziel, sondern als Energiekraftwerk für die Erde denkt. Der Abstand zwischen Idee und Umsetzung ist jedoch so groß, dass vorerst eher die Debatte als der Bau voranschreitet.

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