Öl- und Gasheizungen dürfen nach dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz wieder eingebaut werden. Damit rückt die Bundesregierung von der 65-Prozent-Regel ab, die neue Heizsysteme bisher zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien vorschrieb.
Für Michael Mundle ist das ein Rückschritt. Der Heizungsbauer, der seinen Betrieb in dritter Generation führt, sagt, seine Kunden kauften zu 90 Prozent Wärmepumpen. Sie hätten die Vorteile bei Effizienz, Zuverlässigkeit und Betriebskosten längst verstanden. Das alte Gesetz sei technisch gut gemacht gewesen, vor allem für Ein- und Zweifamilienhäuser. Statt es grundsätzlich umzubauen, hätte man aus seiner Sicht Details nachschärfen sollen.
Der Druck im Alltag des Handwerks zeigt sich dort, wo die großen politischen Linien auf die Realität von Gebäuden treffen. Mundle verweist darauf, dass Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern oft schwer unterzubringen sind, weil Platz fehlt oder die Technik nicht passt. Gerade deshalb hält er die Abkehr vom alten Regelwerk für falsch. Dass Öl und Gas nun wieder als Option gelten, ist aus seiner Sicht nicht nur schlecht für das Ziel der Klimaneutralität, sondern auch für die Haushalte. Fossile Brennstoffe wirkten nur auf den ersten Blick günstiger. Auf längere Sicht, sagt er, machten Energiepreise und CO2-Bepreisung sie zur teureren Variante.
Hinzu kommt aus seiner Sicht ein weiteres Argument, das über den Heizkeller hinausreicht. Krisen und Kriege trieben die Preise für fossile Energien nach oben und machten gerade deshalb Wärmepumpen attraktiver. Gleichzeitig gibt es derzeit eine Förderung für den Einbau einer Wärmepumpe. Auch der geplante Entwurf zum Heizungsgesetz soll wieder eine Förderung enthalten, doch Details dazu stehen bislang nicht im Entwurf. Für Mundle ist genau das entscheidend: "Das wäre einfach der wichtigste Teil, dass jetzt auch die Förderung im neuen Gesetz drin bleibt."
Die politische Kehrtwende ist auch für Kunden spürbar, die längst umgebaut haben. Holger Feyerabend ließ seine alte Gasheizung kürzlich von Mundle gegen eine Wärmepumpe austauschen. Er sagt, er habe weg von Gas und Öl gewollt. Für den ständigen Wechsel der Linie in der Politik hat er kein Verständnis. Je weniger Haushalte Gas nutzen, desto weniger Zukunft sieht er auch für das Netz selbst. Es ist ein Einwand, der weit über die einzelne Heizung hinausgeht und die Frage stellt, wie lange sich Infrastruktur noch trägt, wenn immer mehr Eigentümer sich bereits anders entscheiden.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist damit mehr als eine bloße Korrektur des umstrittenen Heizungsgesetzes der Ampel-Zeit. Es lockert die Regeln, lässt Öl und Gas wieder zu und will zugleich eine Förderung für klimafreundlichere Technik beibehalten. Ob dieser Spagat den Markt beruhigt oder neue Unsicherheit schafft, dürfte sich erst zeigen, wenn der endgültige Text steht.
