Lesen: Arbeitslosigkeit in Nordhausen: Wie das Jobcenter junge Bürgergeld-Empfänger testet

Arbeitslosigkeit in Nordhausen: Wie das Jobcenter junge Bürgergeld-Empfänger testet

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Es ist kurz nach acht Uhr morgens in Nordhausen, als zwei Mitarbeiter des uniformierten Vollzugsdienstes und ein Sozialarbeiter vor Pascals Tür stehen. Der 23-Jährige soll eine Stunde früher in einer nahe gelegenen Werkstatt mit der Arbeit begonnen haben, war aber nicht erschienen.

klingelt unmissverständlich: „Guten Morgen, . Was ist denn los?“ Pascal lebt mit seinem Vater zusammen, der ebenfalls ohne Arbeit ist. Seit Januar ist er in dem in Thüringen, und schon vorher waren ihm wegen Fehlzeiten 50 Euro vom Bürgergeld abgezogen worden.

Das Projekt ist ein Testlauf mit harter Gangart für junge Bürgergeld-Empfänger. Zu den Bausteinen gehören unangekündigte Hausbesuche, mehr Sanktionen und eine Arbeitspflicht. Wer nicht auftaucht, riskiert Kürzungen bis hin zu Eingriffen in die neue Grundsicherung. Seit November 2025 kümmern sich Hesse, und der Sozialarbeiter um junge Langzeitarbeitslose unter 25 Jahren.

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Dass die Kontrolle nicht nur auf dem Papier steht, zeigte sich im März besonders deutlich. In einem anderen Wohnhaus besuchten die drei zwei junge Männer, weil sie an diesem Tag nicht gekommen waren. Einer sagte, er habe verschlafen. Hesse bot an, ihn direkt zur Arbeitsstelle zu fahren, und er nahm das Angebot an. Gärtner beschrieb die letzten zwei Wochen mit den Worten: „Die letzten zwei Wochen jeden Tag“.

Nordhausen steht damit für einen Ansatz, der über die normale Vermittlungsarbeit weit hinausgeht. Das Jobcenter setzt auf direkten Druck, um junge Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. Hesse sagte über Pascal: „Er ist auch ein sehr sympathischer junger Mann, also das muss ich jetzt an der Stelle so sagen.“ Zugleich machte sie deutlich, wie schnell die Maßnahme ins Leere laufen kann: „Der ist auch nicht mehr gegangen, obwohl der eigentlich so positiv aussah.“

Eine Monats später kehrten Beobachter für einen weiteren Kontrollbesuch zurück. Der junge Mann, den Hesse damals noch zum Arbeitsplatz gefahren hatte, nahm an der Maßnahme nicht mehr teil. Auch der andere Teilnehmer war inzwischen raus. Für das Jobcenter ist das ein ernüchterndes Zwischenbild, denn der Pilot soll zeigen, ob sich junge Menschen mit engerer Kontrolle und härteren Konsequenzen tatsächlich dauerhaft erreichen lassen.

Der politische Hintergrund macht den Test in Nordhausen noch heikler. Die erlaubt nach den vorliegenden Angaben 100-Prozent-Sanktionen für Eltern. Fachleute warnen davor, dass solche Kürzungen auch Kinder treffen können. Genau dort liegt die offene Flanke des Modells: Es setzt auf Abschreckung und Kontrolle, riskiert aber, ausgerechnet jene Familien weiter unter Druck zu setzen, die ohnehin kaum Reserven haben. Der Kurs in Nordhausen zeigt damit nicht nur, wie arbeitslosigkeit bekämpft werden soll, sondern auch, wie groß der Streit über die Grenzen solcher Mittel bleibt.

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