In Österreich besitzen inzwischen 31 Prozent der Wohnbevölkerung Wertpapiere. Das sind rund 2,4 Millionen Menschen, wie das aktuelle Aktienbarometer 2026 zeigt. Gegenüber 2022, als der Anteil noch bei 25 Prozent lag, ist das ein deutlicher Sprung.
Besonders stark profitiert davon der börsengehandelte Fonds, besser bekannt als ETF. Ein passiver ETF auf den MSCI World kostet heute oft weniger als 0,2 Prozent im Jahr, während aktiv verwaltete Fonds traditionell ein Vielfaches dieser Gebühren verlangen. Für viele Privatanleger ist genau das der Kern der Attraktivität: breit gestreut, transparent und billig.
Die Zahlen passen zu einem größeren Trend, der weit über Österreich hinausreicht. ETFs werden im Text als Wundermittel der modernen Geldanlage beschrieben, und auf YouTube, Instagram und TikTok verbreiten Finfluencer genau diese einfache Erzählung: Wer langfristig investiert, soll es möglichst günstig und unkompliziert tun. Dass ETFs die Geldanlage für Privatpersonen demokratisiert haben, ist längst zu einer Art Grundannahme geworden.
Doch die Gegenrechnung ist hart. Die SPIVA-Studie von S&P Dow Jones Indices gilt als methodisch anerkanntester Leistungsvergleich zwischen aktiven und passiven Fonds, und sie fällt für die Verwalter klassischer Aktienfonds seit Jahren ernüchternd aus. Im Jahr 2024 verpassten 91 Prozent aller europäischen aktiv verwalteten Aktienfonds der Kategorie Global Equity ihre Benchmark. Über einen Zehnjahreszeitraum lag die Underperformance-Rate in praktisch allen gemessenen Kategorien bei über 90 Prozent.
Genau hier liegt die Spannung hinter dem ETF-Boom. Die niedrigen Kosten und die einfache Logik sprechen für den passiven Ansatz, aber die hohen Gebühren aktiver Fonds bleiben schwer zu rechtfertigen, wenn selbst über lange Zeiträume nur ein kleiner Teil der Manager den Markt schlägt. Der Anstieg auf 31 Prozent Wertpapierbesitzer in Österreich zeigt, dass immer mehr Menschen dieses Missverhältnis erkennen und ihr Geld anders anlegen als noch vor wenigen Jahren.
Für die Branche bedeutet das mehr als nur einen Modetrend. Wenn in Österreich inzwischen rund 2,4 Millionen Menschen Wertpapiere halten und der Anteil seit 2022 deutlich gestiegen ist, dann wächst auch der Markt für Produkte, die auf Einfachheit und niedrige Kosten setzen. Der börsengehandelte Fonds ist damit nicht mehr nur ein Fachbegriff für Anleger, sondern für viele zum Standard geworden.
